«Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt: ‹Es sind ja nur Tiere.›»
(Theodor W. Adorno)

Fachartikel

pflanzliche Proteine 470

Sehr viele Menschen sind bis heute der Überzeugung, dass ohne tierische Proteine eine ausreichende Eiweißversorgung des Menschen nicht möglich sei. Mit pflanzlichen Proteinen sei der Eiweißbedarf des Menschen nicht zu decken, die geringe Wertschätzung pflanzlicher Proteine ist auch daran zu erkennen, dass z. B. der Verzehr von proteinreichen Hülsenfrüchten in Deutschland bei 0,4 – 1,7 kg pro Kopf pro Jahr liegt – während der Fleischkonsum 2015 knapp 60 kg pro Kopf betrug.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist entscheidend, ob durch die Proteinzufuhr eine ausreichende Menge an essentiellen Aminosäuren aufgenommen wird. Bekanntlich können die essentiellen Aminosäuren vom Körper nicht selber gebildet werden, sie müssen also obligat über Nahrungsmittel zugeführt werden. Jedes Protein, tierisch und pflanzlich, hat ein spezifisches Aminosäurenmuster, aus dem abgeleitet werden kann, in welchem Umfang dieses Aminosäurenmuster dem Aminosäurenbedarf des Stoffwechsels entspricht. Man spricht von der biologischen Wertigkeit eines Proteins.

Das Volleiprotein hat die höchste biologische Wertigkeit und gilt als Referenzprotein. Bei pflanzlichen Proteinen ist es meist so, dass bestimmte Aminosäuren nur in geringen Mengen im Protein vorhanden sind. Durch eine geeignete Kombination pflanzlicher Proteine kann aber problemlos der Bedarf an essentiellen Aminosäuren gedeckt werden. Zum Beispiel sind Getreideproteine lysinarm und methioninreich, während die Proteine von Hülsenfrüchten lysinreich und methioninarm sind. Eine Kombination von Getreideproteinen und Proteinen von Hülsenfrüchten führt also zu einem vollständigen Aminosäurenmuster.
Tierische Proteine sind für die menschliche Ernährung nicht erforderlich, weil mit pflanzlichen Proteinen eine ausreichende Protein- und Aminosäurenversorgung möglich ist. Proteine aus verschiedenen pflanzlichen Nahrungsmitteln müssen nicht zur gleichen Zeit verzehrt werden, d.h. nicht gemeinsam in einer Mahlzeit. Es ist ausreichend, wenn sie über den Tag verteilt werden. Soweit einige ernährungswissenschaftliche Fakten zu pflanzlichen Proteinen...

Weiterlesen ...

Aus dem Archiv

Vegetarische Ernährung und Diabetes

Diabetes Henrik Gerold Vogel pixelio 200

Diabetes mellitus ist inzwischen die Volkskrankheit Nummer 1. Die Zahl der Diabetiker in Deutschland hat sich seit 1960 verzehnfacht. Experten der deutschen Diabetesgesellschaft gehen davon aus, dass jeder zehnte Deutsche einen zu hohen Glukosespiegel hat. Die Zahl der Diabetiker nimmt jährlich um 5 % zu – bei steigenden Behandlungskosten, wodurch die Finanzierbarkeit des deutschen Gesundheitswesens erheblich gefährdet wird.

Weiterlesen ...
Zum Seitenanfang