«Vegetarismus gilt als Kriterium, an welchem wir erkennen können, ob das Streben des Menschen nach moralischer Vollkommenheit echt und ernst gemeint ist.»
(Leo Tolstoi)

Fachartikel

pflanzliche Proteine 470

Sehr viele Menschen sind bis heute der Überzeugung, dass ohne tierische Proteine eine ausreichende Eiweißversorgung des Menschen nicht möglich sei. Mit pflanzlichen Proteinen sei der Eiweißbedarf des Menschen nicht zu decken, die geringe Wertschätzung pflanzlicher Proteine ist auch daran zu erkennen, dass z. B. der Verzehr von proteinreichen Hülsenfrüchten in Deutschland bei 0,4 – 1,7 kg pro Kopf pro Jahr liegt – während der Fleischkonsum 2015 knapp 60 kg pro Kopf betrug.

Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist entscheidend, ob durch die Proteinzufuhr eine ausreichende Menge an essentiellen Aminosäuren aufgenommen wird. Bekanntlich können die essentiellen Aminosäuren vom Körper nicht selber gebildet werden, sie müssen also obligat über Nahrungsmittel zugeführt werden. Jedes Protein, tierisch und pflanzlich, hat ein spezifisches Aminosäurenmuster, aus dem abgeleitet werden kann, in welchem Umfang dieses Aminosäurenmuster dem Aminosäurenbedarf des Stoffwechsels entspricht. Man spricht von der biologischen Wertigkeit eines Proteins.

Das Volleiprotein hat die höchste biologische Wertigkeit und gilt als Referenzprotein. Bei pflanzlichen Proteinen ist es meist so, dass bestimmte Aminosäuren nur in geringen Mengen im Protein vorhanden sind. Durch eine geeignete Kombination pflanzlicher Proteine kann aber problemlos der Bedarf an essentiellen Aminosäuren gedeckt werden. Zum Beispiel sind Getreideproteine lysinarm und methioninreich, während die Proteine von Hülsenfrüchten lysinreich und methioninarm sind. Eine Kombination von Getreideproteinen und Proteinen von Hülsenfrüchten führt also zu einem vollständigen Aminosäurenmuster.
Tierische Proteine sind für die menschliche Ernährung nicht erforderlich, weil mit pflanzlichen Proteinen eine ausreichende Protein- und Aminosäurenversorgung möglich ist. Proteine aus verschiedenen pflanzlichen Nahrungsmitteln müssen nicht zur gleichen Zeit verzehrt werden, d.h. nicht gemeinsam in einer Mahlzeit. Es ist ausreichend, wenn sie über den Tag verteilt werden. Soweit einige ernährungswissenschaftliche Fakten zu pflanzlichen Proteinen...

Aus dem Archiv

Die Überfischung geht rücksichtslos weiter

Fischschwarm Nico pixelio 200

Im Jahr 1950 bevölkerten etwa 2,5 Milliarden Menschen die Erde, heute sind es 7, und damit ist auch der Bedarf an Fischen gestiegen und steigt weiter. Trotz modernster Technik und Fortschritts innerhalb der letzten Jahrzehnte haben wir es immer noch nicht gelernt, mit den Ressourcen der Erde nachhaltig umzugehen. Innerhalb weniger Jahre hat es die Menschheit geschafft, die maritimen Fischbestände auf ein Bruchteil zu minimieren. Der Grund: die ungezügelte Gier nach Fisch.

Noch in den 50er Jahren war Überfischung gar kein Thema. Der Ozean schien eine Quelle unermesslichen Fischreichtums zu sein, aus der man unbegrenzt schöpfen könne. 60 Jahre später hat sich nach Angaben von Greenpeace Schweiz die Fangquote verfünffacht. Heute gelten nach offiziellen Aussagen der FAO etwa 57 Prozent der maritimen Fischbestände als bis an die biologische Grenze befischt und 30 Prozent als überfischt; in den europäischen Gewässern sind es sogar 47 Prozent (Stand 2012) - wobei bei dieser Einschätzung zu berücksichtigen ist, dass nur die Zahlen von 35 untersuchten Fischbeständen zugrunde gelegt wurden. Die Anzahl der Fischbestände, deren Populationen extrem dezimiert oder gar ausgefischt wurden, könnten demnach noch wesentlich höher sein. Besonders bedroht sind u.a. Thunfischarten, Schwertfisch, Hai, aber auch Rotbarsch, Scholle und Nordseekabeljau...

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