«Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.»
(Pythagoras)

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Im Canadian Medical Association Journal (CMAJ) wurde am 17. März eine ausgezeichnete Analyse medizinischer und ökologischer Folgen des Fischverzehrs publiziert. Dabei arbeiteten Ärzte der Universität von Toronto, Ernährungswissenschaftler sowie Fischereiexperten der Universitäten von British Columbia und Saskatchewan zusammen. Von dieser interdisziplinären Arbeitsgruppe wurde die Sinnhaftigkeit üblicher Fischverzehr-Empfehlungen kritisch beleuchtet. In entwickelten Ländern wird den Menschen empfohlen, ihren Fischkonsum wenigstens um das Zwei- bis Dreifache zu steigern, mit dem Ziel, adäquate Mengen von EPA und DHA aufzunehmen.

Das Hauptproblem bei diesem Ratschlag ist, dass selbst beim gegenwärtigen Fischkonsum die Fischereiwirtschaft weltweit in eine schwere Krise gestürzt ist. Es kann z.B. die Nachfrage vieler Länder nach Fisch, z.B. von China, nicht befriedigt werden. Die rückgehenden Fangmengen führen dazu, dass lokale Fischmärkte immer weniger beliefert werden, mit fatalen Konsequenzen für die Lebensmittelversorgung ärmerer Nationen, Inseln und Küstenbewohner. Der Kollaps der globalen Fischbestände und seine sozioökonomischen Effekte sind deshalb mit der gegenwärtigen Empfehlung, mehr Fischöl zu konsumieren, unvereinbar.
Die Evidenz einer gesundheitsförderlichen Wirkung eines erhöhten Fischkonsums ist weit weniger klar, als die Befürworter vorgeben. Die bisher stärkste Evidenz zeigt einen 15 prozentigen Nutzen in der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Es ist seit vielen Jahren zu beobachten, dass Studienergebnisse, die einen gesundheitlichen Nutzen der Omega-3-Fettsäuren bescheinigen, übertrieben positiv dargestellt werden. Die zahlreichen negativen Studienergebnisse werden meistens ignoriert und finden auch in die öffentliche Diskussion keinen Einlass. Den Studien mit negativen Ergebnissen, z.B. der DART-2-Studie, werden meist methodische Schwächen vorgeworfen, weshalb ihre Aussagen qualitativ minderwertig seien.

Die vorgebrachten Kritikpunkte müssten aber auch auf zahlreiche Studien angewendet werden, aus denen günstige Effekte von Fischöl resultierten. Beispielsweise sind einige dieser Studien nicht als Doppelblindstudie durchgeführt worden, und bei bestimmten Metaanalysen wurden große Studien überhaupt nicht mit einbezogen. Es gibt bis heute keinen Beweis dafür, dass Fischöl bei psychischen Störungen, Demenzerkrankungen, Krebserkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Collitis ulcerosa, Asthma, Multipler Sklerose und Diabetes von Vorteil wäre. Der Nutzen, den eine einzige Metaanalyse attestierte, war, dass die DHA-Aufnahme der Mutter einen günstigen Effekt auf die neurologische Entwicklung des Säuglings ausübte.

Im Gegensatz zu dieser Unsicherheit über den Stellenwert der Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl gibt es kaum Zweifel über die Schwere der Fischereikrise und über den zu erwartenden Kollaps der Fischbestände. Man kann davon ausgehen, dass bis in spätestens 40 Jahren der kommerzielle Fischfang in den Weltmeeren völlig zusammenbrechen wird.

Zunehmend werden Aquakulturen und Fischfarmen als Lösung dieses Problems propagiert. Die paradoxe Situation ist, dass die erhöhte Aquakulturproduktion einen erhöhten Druck auf die Wildfischbestände ausübt. Man benötigt 2,5 bis 5 kg Futterfisch, um 1 kg gezüchteten Raubfisch zu produzieren.

Es gibt inzwischen auch alternative Möglichkeiten, Docosahexaensäure zu gewinnen, z.B. aus der Alge Crypthecodinium cohnii.

Die Autoren kommen in ihrem Artikel zu dem Schluss, dass angesichts alternativer Omega-3-Fettsäure-Quellen die Empfehlung zur Steigerung des Fischkonsums in entwickelten Ländern zurückgenommen werden sollte. Die Evidenz für den Nutzen eines erhöhten Fischölkonsums sei bei weitem nicht so klar, wie von den Befürwortern dargestellt.

Referenz:
David J.A. Jenkins MD DSc et al: Are dietary recommendations for the use of fish oils sustainable? CMAJ, March 17, 2009

Kommentar:
Endlich wird auch einmal von ärztlicher Seite die Sinnhaftigkeit des Fischkonsums kritisch hinterfragt. Vegetarier essen überhaupt keinen Fisch und haben häufig ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Mischköstler. Schon daraus könnte man ablesen, dass Fischöl nicht lebenswichtig ist.

Angesichts der dramatischen Situation in den Weltmeeren ist es völlig unverantwortlich weiterhin den Fischkonsum steigern zu wollen, schon gar nicht auf Kosten der ärmeren Menschen, die vielleicht tatsächlich auf Fisch als Nahrungsmittel angewiesen sind.

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Vegane Ernährung und Medizin - neue Studien

Veganes Essen 470

Die vegane Ernährung erlebt derzeit einen regelrechten Boom, erkennbar z.B. an der rasant steigenden Zahl von Neuveröffentlichungen veganer Kochbücher. 2010 sind in Deutschland drei vegane Kochbücher erschienen, 2015 waren es bereits 119 Veröffentlichungen. Die Zahl der Veganer in Deutschland wird auf rund 900.000 Personen geschätzt - mit steigender Tendenz. Unbestritten ist die vegane Ernährung in puncto Tier, Natur- und Klimaschutz die konsequenteste Ernährungsform.

Immer wieder wird die Frage diskutiert, ob die vegane Ernährung bedarfsdeckend sei. Bei einer veganen Ernährung bestehen zwar mehr Risiken in Bezug auf Nährstoffdefizite als bei einer lakto-ovo-vegetabilen Kost, aber bei Erwachsenen, die sich vegan ernähren, ist eine ausreichende Versorgung unter Berücksichtigung einer breiten Lebensmittelauswahl und bei entsprechenden Ernährungskenntnissen sowie einer zuverlässigen Supplementierung kritischer Mikronährstoffe dennoch möglich. Hier geht es insbesondere um das Vitamin B12. Veganer, die aus irgendwelchen Gründen kein Vitamin B12 einnehmen, setzen fahrlässig ihre Gesundheit aufs Spiel und schaden letzten Endes auch der veganen Bewegung.


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Wir leben ja in einer Zeit zunehmender ernährungsabhängiger Erkrankungen, insbesondere Übergewicht/ Adipositas mit seinen Folgeerkrankungen, so dass eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten auch dringend geboten ist. Hierfür bietet sich die vegane Kost in besonderem Maße an. 

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