«Ich hege keinen Zweifel darüber, daß es ein Schicksal des Menschengeschlechts ist, im Verlaufe seiner allmählichen Entwicklung das Essen von Tieren hinter sich zu lassen.»
(Henry David Thoreau)

Die weltweite Empfehlung mehr Fisch zu essen
führt zu einem ökologischen Kollaps der Meere 

Fischernetze Annamartha pixelio 470

Seit einigen Jahren wird von Seiten ärztlicher Fachverbände und von Ernährungswissenschaftlern eine Steigerung des Fischkonsums empfohlen. Ohne die Hintergründe dieser Empfehlungen zu kennen, glauben deshalb viele Menschen, dass Fisch ein besonders gesundes und hochwertiges Nahrungsmittel sei. Man hört diese Empfehlung auch sehr gerne, weil Fisch als besonders lecker gilt und Fischessen sowieso als modern und schick angesehen wird.

Seit 1960 hat sich der weltweite Fischverbrauch vervierfacht. Der Fischboom hat verheerende Konsequenzen für das Ökosystem Ozeane. 77 Prozent aller Fischbestände sind entweder bis an ihre Grenzen ausgebeutet oder bereits überfischt. Der Fortbestand vieler Fischarten ist akut gefährdet. Eine globale Studie von Meeresbiologen aus vielen Ländern hat einen kompletten Zusammenbruch aller Bestände von Speisefischen und Meeresfrüchten bis 2048 vorausgesagt - bei Beibehaltung der derzeitigen Fangquoten. Bereits seit 1994 ist trotz aufwendiger Technologien eine Steigerung der jährlichen Fangmenge von etwa 100 Mio. Tonnen nicht mehr möglich.

Wer etwas für den Klimawandel und für den Erhalt der Artenvielfalt der Ozeane tun möchte, sollte deshalb schleunigst Vegetarier werden. Völlig absurd und unverantwortlich ist die Empfehlung, noch mehr Fisch als bisher zu verzehren. Es ist heute zweifelsfrei erwiesen, dass Fleisch, Wurst und Fisch für die menschliche Ernährung nicht erforderlich sind. Die weltweit größte Gesellschaft von Ernährungswissenschaftlern, die American Dietetic Association und der Verband kanadischer Ernährungswissenschaftler bewerten eine vernünftig geplante vegetarische Ernährung als gesundheitsförderlich und geeignet, den Nährstoffbedarf angemessen zu decken.

Was ist der Hintergrund für die Empfehlung, mehr Fisch zu essen?

In Fischen, insbesondere in fetten Fischen, sind langkettige Omega-3-Fettsäuren enthalten, die Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diese langkettigen Omega-3-Fettsäuren werden von Algen gebildet und über die Nahrungskette von Fischen aufgenommen und angereichert.

Die Mutter der Omega-3-Fettsäuren ist die pflanzliche Alpha-Linolensäure, aus der EPA und DHA gebildet werden. Prinzipiell sind Omega-3-Fettsäuren für den Menschen essentiell, d.h. sie müssen über die Nahrung zugeführt werden, da der menschliche Organismus keine Omega-3-Fettsäuren selbst bilden kann. DHA ist an der Bildung von Strukturlipiden des Gehirns beteiligt, was besonders während der Wachstumsphase eine besondere Rolle spielt. Die Omega-3-Fettsäuren ALA, EPA und DHA haben einen gewissen blutverdünnenden Effekt; sie wirken antientzündlich und haben einen günstigen Einfluss auf die Blutfette.
 

Sind „Fisch-Omega-3-Fettsäuren“ gesund und lebenswichtig?
Es kann nicht bestritten werden, dass bei Menschen mit dem üblichen hohen Fleischkonsum der Austausch einer Fleischmahlzeit durch eine Fischmahlzeit einen günstigen Effekt hätte. Entsprechend hat sich auch gezeigt, dass Patienten nach einem Herzinfarkt durch den Fischverzehr ein geringeres Sterblichkeitsrisiko hatten. Dies ist der Hintergrund für die Empfehlung, mehr Fisch zu essen. Es gibt aber keinen Beweis dafür, dass der Verzehr von Fisch generell das Risiko für ischämische Herzerkrankungen (also z.B. Verengung der Herzkranzgefäße) vermindert.

Der Nutzen der „Fisch-Omega-3-Fettsäuren“ ist allerdings auch nicht  unumstritten. Eine Metaanalyse vieler Studien, die 2006 publiziert wurde, kam zu dem Ergebnis, dass es keinen Beweis für den Nutzen des Fischverzehrs oder von Fischölkapseln gibt.  Im „American Journal of Cardiology“ wurde im Mai 2007 publiziert, dass die vermeintlichen Vorteile des Fischverzehrs wahrscheinlich eher auf eine generell gesündere Ernährungsweise zurückzuführen sind, also mit den „Fisch-Omega-3-Fettsäuren“ gar nichts zu tun haben. Nach einer schweren Herzerkrankung sind doch manche Menschen eher bereit, einige Ernährungsgewohnheiten zu ändern und hochwertiger und gesundheitsbewusster zu essen.

Vegetarier nehmen in der Regel zu viel Omega-6-Fettsäuren und zu wenig Omega-3-Fettsäuren zu sich, so dass die Empfehlung besteht, auf eine höhere Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren zu achten, was man z.B. durch eine vermehrte Verwendung von Leinöl, Leinsamen, Walnüssen und grünem Blattgemüse erreichen kann. Es ist nachgewiesen, dass die körpereigene Bildung von DHA durch eine höhere Zufuhr von ALA gesteigert werden kann. Inzwischen gibt es auch DHA-Präparate, die aus Algen gewonnen werden; die man z.B. während einer Schwangerschaft einnehmen sollte, weil unbestritten DHA für die Hirnentwicklung des Kindes eine sehr wichtige Bedeutung hat.

Männliche Vegetarier haben im Vergleich zu Mischköstlern ein um 31 Prozent geringeres Risiko, an ischämischer Herzerkrankung zu sterben, bei Frauen ist das Risiko 20 Prozent geringer. Die Todesfallraten waren auch geringer für vegetarisch lebende Frauen und Männer im Vergleich zu Personen, die lediglich Fisch aßen oder Fleisch weniger als einmal pro Woche. Der derzeitige Fischverzehr in Deutschland von durchschnittlich 20 g pro Tag deckt lediglich 20 Prozent der empfohlenen Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren. Daraus sieht man, dass der Fischverzehr überhaupt nicht die bedeutsame Rolle spielt, die ihm in den Massenmedien zugewiesen wird.

 

Ist Fisch wirklich so gesund?

Fisch hat das Image eines kalorienarmen, fettarmen sowie eiweißreichen Nahrungsmittels. Dies ist aber ein reiner Mythos. Viele Fischarten, z.B. Barsch, Kabeljau, Makreele, Lachse, enthalten mehr Cholesterin als Rindfleisch, Schweinefleisch und Hühnerfleisch. Wolfsbarsch enthält z.B. 60 mg Cholesterin pro 100 Kalorien, Rindfleisch vergleichsweise 24 mg.

Das Fischeiweiß enthält sehr viel Methionin, eine schwefelhaltige Aminosäure, bei deren Abbau viele Protonen anfallen. Kabeljau z.B. enthält 676 mg Methionin pro 100 Kalorien, Lachse immerhin 500 mg/ 100 Kalorien. Im Vergleich dazu ist Schweinefleisch mit 184 mg/ 100 Kalorien und Rindfleisch mit 147 mg/ 100 Kalorien geradezu methioninarm.

Der häufige Fischverzehr erhöht also die Methioninzufuhr und führt zu einer Übersäuerung des Organismus, wodurch dann der menschliche Stoffwechsel basische Knochensalze mobilisieren muss, was das Osteoporoserisiko erhöht. Häufig werden ja die Eskimos herangezogen, um die angeblichen Vorteile des Fischverzehrs zu dokumentieren. Motto: Eskimos kriegen keinen Herzinfarkt. Was leider nicht erwähnt wird, ist, dass die Eskimos in Folge des hohen Konsums tierischer Proteine schon ab dem vierzigsten Lebensjahr an massiven Verlussten der Knochensubstanz leiden und eine noch viel geringere Knochendichte aufweisen als die weiße Bevölkerung, die sich mit der üblichen „Western-diet“ ernährt.

Eine Methioninbelastung kann, zumindest zeitweise, zu erhöhten Homocysteinspiegeln führen. Das Homocystein ist ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen.

Fisch ist eine erhebliche Quelle für alle möglichen Umweltgifte

 

Quecksilber

Wer häufig Fisch isst, hat meist erhöhte Quecksilberkonzentrationen im Blut. Das können wir auch aufgrund zahlreicher Quecksilberbestimmungen im Blut von Patienten bestätigen, die aus dem arabischen Raum kommen. Dort ist der Fischverzehr sehr beliebt.

Ende Juli 2007 wurden die Ergebnisse einer  Gesundheits- und Ernährungsstudie in New York publiziert. Rund 25 Prozent der Erwachsenen dort wiesen erhöhte Quecksilberwerte auf, die eindeutig mit einem hohen Fischkonsum in Verbindung standen.

Quecksilber ist ein giftiges Schwermetall, das sich in Form von Methylquecksilber besonders in Raubfischen, wie z.B. Thunfisch und Schwertfisch, anreichert. Quecksilber ist besonders giftig für Ungeborene und Kleinkinder, da es die Entwicklung der Nervenstammzellen im Gehirn beeinträchtigt. Eine Quecksilberbelastung der Mutter kann einen ungünstigen Einfluss auf die psychomotorische Entwicklung und den Intelligenzquotienten des Kindes ausüben.

Im April 2005 wurde eine Studie publiziert, in der die Quecksilberbelastung der Haare von mehr als 250 Frauen in 21 Ländern untersucht wurde. In Ländern mit einem traditionell hohen Fischkonsum, z.B. in Spanien, wurden besonders hohe Quecksilberwerte gemessen. 15 Prozent der Haarproben lagen über dem US-amerikanischen Grenzwert. Der Vorsitzende des Ausschusses „Gesundheit und Umwelt der Bundesärztekammer“ bezeichnete belasteten Seefisch als die größte Quecksilberquelle. Professor Philipe Grandjean von der Harvard University sieht sogar einen Zusammenhang zwischen der Belastung der Menschen durch Quecksilber und einem schleichenden Intelligenzverlust unserer Gesellschaft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung BFR empfiehlt Frauen, während der Schwangerschaft und Stillzeit auf bestimmte Fischarten zu verzichten, in denen erfahrungsgemäß besonders hohe Konzentrationen an Methylquecksilber vorkommen, z.B. Hai, Marlin, Hecht, Heilbutt, Thun- oder Schwertfische.

Es gibt auch Hinweise aus einigen Studien, z.B. aus Finnland, dass der Seefischkonsum über eine erhöhte Quecksilberzufuhr das Risiko für Herzinfarkt bei Männern erhöht.

Die Belastung mit Quecksilber wird weltweit zunehmen. Heute gelangt mit dem Regen und anderen Niederschlägen im Durchschnitt mehr als dreimal sowiel Quecksilber auf die Erde wie zu Beginn der industriellen Revolution vor 200 Jahren.

Die Inuits in Grönland, die sich hauptsächlich von Fisch oder Fischprodukten ernähren, gehören zu den weltweit am meisten belasteten Völkern. Die Belastung der Fische durch Quecksilber wird also eher zunehmen als abnehmen.

Dioxine und andere Umweltgifte

Fische können in erheblichem Umfang Umweltgifte wie Dioxine und dioxinähnliche Biphenyle anreichern. Außerdem wurden auch schon bromierte Flammschutzmittel in Fischen nachgewiesen. Im Juni 2007 wurde eine Studie von Toxikologen aus Belgien und Serbien publiziert, die sich mit der Dioxinaufnahme durch den Fischverzehr beschäftigt. Wenn die empfohlene Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren ausschließlich durch den Fischkonsum erfolgen würde, würde die Dioxinaufnahme des Menschen weit über dem zulässigen Grenzwert liegen. Dioxine gehören zu den giftigsten Umweltchemikalien überhaupt. Sie schädigen das Immunsystem und Nervensystem und können die verschiedensten Tumore auslösen.

Besonders problematisch ist die Umweltbelastung von Fischen aus den so genannten Aquakulturen. Um die weltweite Nachfrage nach Fisch zu befriedigen, werden zunehmend Fischfarmen eingerichtet, die man als eine Art Masttierbetriebe unter Wasser bezeichnen kann. Die Aquakultur deckt bereits 29 Prozent aller Gesamt-Fischanlandungen; die Zucht der Fische ist ähnlich intensiv wie die Tiermast.

Die Fische werden auf engem Raum gehalten, was das Risiko für Infekte sehr stark erhöht und den Einsatz von vielen Medikamenten erfordert.

Im Juni 2006 wurde in der Fachzeitung „Environmental Microbiology“ eine kritische Stellungnahme zu den Gepflogenheiten in der Zuchtfischhaltung publiziert. Antibiotika sind inzwischen als Mastbeschleuniger in der Tiermast in vielen Ländern verboten. In der Fischindustrie gibt es oftmals keinerlei Restriktionen.

Diese Antibiotika gelangen auch in die Umwelt. Es ist bereits nachgewiesen, dass die Verfütterung von Antibiotika auch die mikrobielle Flora in der Umgebung von Fischfarmen verändert.  Dort werden auch heute vermehrt antibiotikaresistente Bakterien nachgewiesen. Diese können auch nach dem Verzehr der Fische mit menschlichen Erregern in Kontakt kommen mit negativen Auswirkungen auf die Darmflora.

Im Jahr 1992 war in Lateinamerika z.B. eine Choleraepidemie mit resistenten Choleraerregern aufgetreten. Diese Resistenz war die Folge eines ungehemmten Einsatzes von Antibiotika in Shrimpsfarmen.

Im Jahr 2004 wurde in der Zeitschrift „Science“ eine Untersuchung über die Giftbelastung von Zuchtlachsen veröffentlicht. Vor allem die europäischen Zuchtlachse sind erheblich stärker mit Giften belastet als ihre wildlebenden Artgenossen. Sie enthalten ein Vielfaches an chlorierten Kohlenwasserstoffen wie Dioxinen, polychlorierten Biphenylen und Hexachlorbenzol. Eine Probe war z.B. so stark belastet, dass nach den Richtlinien der US-Umweltbehörde EPA davon nicht mehr als eine halbe Portion pro Monat gegessen werden sollte.

Noch einige Anmerkungen zu Fischfarmen:
Für die Lachszucht wird Fischmehl eingesetzt, weshalb z.B. im Pazifik große Mengen Fisch gefangen werden, um daraus Fischmehl zu produzieren.

Fazit:
Der Fischverzehr ist für die menschliche Ernährung nicht erforderlich, vielmehr mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken behaftet. Es ist deshalb auch ethisch nicht zu rechtfertigen, Milliarden von Seetieren auf grausamste Art und Weise umzubringen. Wichtig ist auch der ökologische Aspekt: Ohne eine drastische Einschränkung des Fischfangs kommt es binnen kurzem zu einem ökologischen Desaster. Ein Zusammenbruch wichtiger Ökosysteme hat für die Gesundheit des Menschen mit Sicherheit schwerwiegende Folgen. Nach aktuellen Zahlen sterben bereits jetzt vier von zehn Menschen, also vierzig Prozent weltweit, an den Folgen der Umweltverschmutzung und Umweltzerstörung.

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