«Der menschliche Magen ist kein Friedhof für Tiere.»
(Nina Hagen)

Noch sind es etwa "nur" 6000 Menschen, die jährlich in Deutschland an den Folgen multiresistenter Keime sterben. Im Jahr 2050 könnten aber den multiresistenten Keimen genauso viele Menschen zum Opfer fallen, wie an Krebs. Das prognostizierte eine Wissenschaftlerin der Umweltmedizin der Berliner Charité im Juni 2015.

Jetzt haben Wissenschaftler bei Untersuchungen an Schweinen und Hühnern in Südchina bei fünf Prozent der Tiere ein Gen entdeckt, das Keime resistent gegen Antibiotika macht. Damit kann die Einschätzung der Wissenschaftlerin über die Prävalenz im Jahre 2050 bittere Wahrheit werden. Es handelt sich bei dem identifizierten Gen, das gegenüber Krankheitskeimen immun ist, um das Gen MCR-1. Auffallend war, dass die Tiere vermehrt mit resistenten Formen des Darmbakteriums Escherichia coli (E. coli) infiziert waren, und das Antibiotikum Colistin unwirksam war. Daraufhin schauten die Wissenschaftler genauer hin und stellten fest, dass alle entsprechenen Keime Plasmide mit dem Gen MCR-1 in sich trugen. Das Gen bewirkt, dass ganze Antibiotikafamilien gegen multiresistente Keime resistent sind, also auch gegen Polymyxine. 

Da das MCR-1 auf Plasmiden sitzt, einer Art mobiler DNA, die leicht kopiert werden kann, kann es schnell von einer Bakterienart an andere weitergegeben werden. So ist nicht verwunderlich, dass die Forscher MCR-1 später auch in Proben des Darmbakteriums Klebsiella pneumoniae vorfanden.

Die Forscher fanden bei etwa einem Fünftel der untersuchten Schweine E-coli-Bakerien mit dem Resistenzgen und bei 15 Prozent roher Fleischproben. In Krankenhäusern der Provinzen Guandong und Zhejiang wurde MRC-1 außerdem bei 16 von 1322 menschlichen Proben entdeckt - das entspricht einem Anteil von einem Prozent.

"Das sind extrem besorgniserregende Ergebnisse", sagt Liu Jian Hua, Hauptautor der Studie. Dadurch, dass das Gen so leicht verbreitet werden könne, habe es "Epidemie-Potenzial". "Wenn MCR-1 sich weltweit verbreitet, was nur eine Frage der Zeit ist, dann wird es sich unvermeidlich mit anderen Genen der Antibiotika-Resistenz verbinden. Dann werden wir sehr wahrscheinlich den Beginn der post-antibiotischen Ära erreichen", sagt Timothy Walsh von der Universität Cardiff, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Referez:
spiegel.de, 19.11.2015: Gefährliche Resistenzen: Ein Gen macht rettende Antibiotika unwirksam

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Umweltgifte: Dioxine, PCB und Cäsium in tierischen Lebensmitteln

Wildschweine 200Etwa 70 Prozent der aus Lebensmitteln aufgenommenen Dioxine und Polychlorierte Biphenyle (PCB) erfolgen über den Verzehr von tierischen Lebensmitteln wie Eier, Milch, Milchprodukte, Geflügel, Rind und Schweinefleisch. Obwohl die Dioxin- und PCB-Freisetzung in die Umwelt in den letzten Jahren 20 Jahren deutlich rückgängig ist, zeigt sich diese Tendenz nicht unbedingt durch eine Verringerung der Schadstoffgehalte in allen Lebensmittelgruppen.

Der Grund ist neben einer Neubelastung, dass diese Schadstoffe als Altlasten noch in den Böden und Sedimenten enthalten sein können. Betroffen ist vor allem der Grund von Gewässern wie Flüsse. Über wild lebende Flussfische können über die Nahrungskette immer noch erhebliche Mengen an Dioxinen und PCB aufgenommen werden. Gewarnt wird auch vor einer Dioxin- und PCB-Belastung in Dorschleber sowie in der Leber von Lämmern, Schafen und Wild.

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