«Vegetarismus gilt als Kriterium, an welchem wir erkennen können, ob das Streben des Menschen nach moralischer Vollkommenheit echt und ernst gemeint ist.»
(Leo Tolstoi)

Vegetarier bilden eine Risikogruppe für eine niedrige Vitamin-B12-Aufnahme. Ein Vitamin-B12-Mangel wiederum kann die Homocysteinkonzentration im Blutplasma erhöhen, wodurch das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen ansteigen könnte.

Wissenschaftler aus Taiwan untersuchten in einer Studie die Homocystein- und Vitamin-B12-Konzentrationen bei vegetarischen Eltern und Vorschulkindern und verglichen diese mit den Werten von Mischköstlern. In die Studie wurden 56 Mischköstler sowie 42 Vegetarier einbezogen.

 Hinsichtlich der Folsäureaufnahme zeigte sich sowohl bei den Eltern als auch bei den Vorschulkindern kein signifikanter Unterschied zwischen Vegetariern und Mischköstlern. Die Homocysteinkonzentrationen bei den Vegetariern bewegten sich in einem physiologischen Bereich. Sie waren nur geringfügig höher als die der Mischköstler. Die Mischköstler hatten eine signifikant höhere Vitamin-B12-Aufnahme als die Vegetarier, dennoch gab es zwischen den Vegetariern und den Mischköstlern kaum Unterschiede in der Vitamin-B12-Konzentration. Bei den Mischköstlern war die Plasma-Homocysteinkonzentration signifikant mit der Folsäurekonzentration und der Vitamin-B12-Aufnahme assoziiert.

Die wesentliche Aussage der Studie ist: Bei vegetarischen Eltern und ihren Kindern im Vorschulalter ist die Vitamin-B12-Aufnahme niedriger als bei Mischköstler, ihre Vitamin-B12- und Homocysteinkonzentrationen sind jedoch ähnlich hoch.

Referenz:
Chin-En Yen et al.: Vitamin-B-12 Status is not associated with plasma homocysteine in parents and their preschool children: Lacto-ovo, lacto, and ovo vegetarians and Omnivores; Journal of the American College of Nutrition, vol. 29, No. 1, 7-13 (2010)



Aus dem Archiv

Vegetarische Ernährung besser für das Herz-Kreislauf-Sytem

Wissenschaftler aus den USA und Japan publizierten im April 2014 eine Metaanalyse über den Zusammenhang zwischen vegetarischer Ernährung und Blutdruck. Dazu wurde die vorhandene Fachliteratur nochmals zusammenfassend ausgewertet. Es zeigte sich, dass der Verzehr einer vegetarischen Nahrung mit niedrigeren Blutdruckwerten assoziiert war. Vegetarische Ernährungsformen könnten also eine wichtige nicht-pharmakologische Maßnahme zur Senkung des Blutdrucks sein.

Da in westlichen Ländern eine Verminderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine vegetarische Ernährung nachgewiesen worden war, untersuchten Forscher aus Indien inwieweit dieser Zusammenhang auch für Indien gilt. Sie konnten nachweisen, dass auch in Indien die vegetarische Ernährung im Vergleich zur Mischkost das kardiovaskuläre Risiko verminderte.

In einer Metaanalyse wurden acht Studien mit 183.321 Studienteilnehmern zur Klärung der Frage ausgewertet, ob die vegetarische Ernährung das kardiovaskuläre Risiko und die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst. Die Daten aus Beobachtungsstudien zeigten eine mäßiggradige Verminderung des kardiovaskulären Risikos, allerdings keine klare Reduktion der Gesamtsterblichkeit.


Referenzen:

  • Yokoyama Y, Nishimura K et al.: Vegetarian diets and blood pressure: a meta-analysis. JAMA Intern Med. 2014 Apr;174(4):577-87.
  • Kwok CS, Umar S et al.: Vegetarian diet, Seventh Day Adventists and risk of cardiovascular mortality: a systematic review and meta-analysis. Int J Cardiol. 2014 Oct 20;176(3):680-6.
  • Shridhar K, Dhillon PK et al.: The association between a vegetarian diet and cardiovascular disease (CVD) risk factors in India: the Indian Migration Study. PLoS One. 2014 Oct 24;9(10):e110586.
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