«So lebe ich fettlos, fleischlos, fischlos dahin, fühle mich aber ganz wohl dabei. Fast scheint mir, daß der Mensch gar nicht als Raubtier geboren ist.»
(Albert Einstein)

Schweine Hans Udry pixelio 470

Das Thema Antibiotikaresistenz war im Oktober/ November 2011 ein vielbeachtetes Thema in der Presse. Am 15. Oktober 2011 berichtete Spiegel online unter der Überschrift „Resistente Superkeime erobern die Umwelt“ über die zunehmende Bedrohung durch antibiotikaresistente Bakterien. Schon kleinste Antibiotikamengen, deutlich unter den in Deutschland zugelassenen Grenzwerten für Antibiotikarückstände in Nahrungsmitteln, können die Verbreitung von resistenten Erregern begünstigen. Eine zentrale Rolle hierbei spielt auch die Tierhaltung. Nach Expertenschätzungen landen zwei Drittel aller in Deutschland verabreichten Antibiotika in der Tierhaltung. Das Bundesamt für Risikoforschung schätzt rückwirkend für 2010, dass Schweine im Schnitt 5,9 und Rinder 2,3 mal Antibiotika bekamen, bevor sie geschlachtet wurden. Der Mikrobiologe Witte vom Robert-Koch-Institut hat das Auftauwasser von Masthähnchen untersucht: In 30 Prozent der Proben fand er MRSA-Keime. Sie seien für den Verzehr völlig ungefährlich, weil sie beim Kochen oder Braten abgetötet würden, doch beim Zubereiten der Speisen könnten sie sich auf der Haut und in kleinen Wunden festsetzen und gelegentlich Wundinfektionen oder Blutvergiftungen auslösen.

Eine neue große Gefahr kommt aus den Mastställen: Die Hannoversche Allgemeine berichtete am 02.12.2011, dass in der Tiermast in Niedersachsen nahezu flächendeckend Antibiotika eingesetzt würden. In einer Studie aus Nordrheinwestfalen war zuvor bekannt geworden, dass in der Hähnchenmast in 83 Prozent der Fälle Antibiotika verabreicht wurden. Nach einer neuen Studie der niederländischen Universität Utrecht treten antibiotikaresistente Bakterienstämme sogar im Umkreis von einem Kilometer Entfernung von Großmastanlagen noch auf. Bei der Analyse des Erbguts dieser Bakterien stellte man fest, dass diese spezielle Enzyme produzieren, die so genannten Extended spectrum Beta Lactamasen (ESBL). Diese ESBL-Bakterien können Penicillin zerstören, und sie können diese Fähigkeit im Darm leicht an andere Krankheitserreger weitergeben.

Bereits am 14. November 2011 konnte man bei aerzteblatt.de nachlesen, dass den Kliniken zunehmend Medikamente gegen Problemkeime fehlen. Es ist ein enormer Anstieg multiresistenter gramnegativer Problemkeime wie Escherichia coli zu verzeichnen. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin warnt vor einer weiteren Ausbreitung dieser Keime. Die Folgen des Fehlens von Antibiotika könnten sich dramatisch entwickeln.

Am 29.11.2011 berichtete die Frankfurter Rundschau über eine weitere Folge des Antibiotikamissbrauchs: Antibiotika im Tierfutter können Viren im Darm der Tiere aktivieren, die Gene von einem Darmbakterium zum anderen übertragen. Dadurch werden auch vermehrt Gene übertragen, die die Mikroben resistent gegen Antibiotika machen. Ein großer Teil der genetischen Information wird im Darm nicht direkt über die Bakterien ausgetauscht, sondern über so genannte Phagen. Antibiotika vermögen den Aktivierungsprozess dieser Virenart zu fördern. Im Darm von Schweinen, die Antibiotika bekamen, konnte man signifikant mehr freigesetzte Phagen nachweisen als bei antibiotikafrei gefütterten Schweinen. Durch die höhere Anzahl der aktiven Phagen wurden insgesamt mehr Gene übertragen und letztlich auch mehr Gene, die den Bakterien eine Resistenz gegen Antibiotika verleihen.

Referenz:
aerzteblatt.de, 14.11.2011: Kliniken fehlen Medikamente gegen Problemkeime
Frankfurter Rundschau, 29.11.2011: Antibiotika im Schwein aktivieren Viren
Haz.de, 02.12.2011: Resistente Keime im Umkreis von einem Kilometer
Spiegel.de, 15.11.2011: Resistente Superkeime erobern die Umwelt

Autor:
Dr. med. Hans-Günter Kugler © November 2011

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