«Nichts wird die Gesundheit des Menschen und die Chancen auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.»
(Albert Einstein)

 fisch Dieter Schtz pixelio

Anlässlich des Weltfischereitages am 21. November wurden die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage publiziert, die außer in Deutschland auch in Großbritannien und den Niederlanden stattfand. Über 90 Prozent der Deutschen sind besorgt über die dauerhafte Überfischung unserer Meere und fordern von der Bundesregierung einen grundlegenden Kurswechsel in der Fischereipolitik. Mehr als 80 Prozent der deutschen Befragten wünschen sich Zielvorgaben der EU-Fischereiminister, die Gefahr des Zusammenbruchs von Fischbeständen zu verringern und den Fischern eine langfristige berufliche Perspektive zu sichern.

Laut EU-Kommission sind derzeit mehr als 70 Prozent der untersuchten europäischen Fischbestände überfischt. So gar nicht zu der oben erwähnten Besorgnis passt die Meldung, dass sich der Fischkonsum in Deutschland auf einem neuen Rekordstand befindet. Die Deutschen essen immer mehr Fisch, wie das Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg Anfang September 2010 bekannt gab. Allen Ernstes behauptet das Fisch-Informationszentrum, dass die Weltbestände gar nicht überfischt seien.

Gerade in den letzten Wochen und Monaten sind sehr viele Fachartikel erschienen, die eindrucksvoll klarmachen, dass die Überfischung der Weltmeere dramatische Ausmaße angenommen hat. Experten gehen davon aus, dass bis in 40 Jahren ein kommerzieller Fischfang überhaupt nicht mehr möglich sein wird, wenn die bisherigen Fangquoten beibehalten werden.

Der Verbraucher hat aber jederzeit die Möglichkeit, durch sein eigenes Kaufverhalten, z.B. durch den Verzicht auf Fisch, zu signalisieren, dass er mit der Plünderung der Meere nicht einverstanden ist.

Warum ist eigentlich Fisch so beliebt? Seit vielen Jahren wird stereotyp behauptet, dass der Verzehr von Fisch unabdingbar für die menschliche Gesundheit wäre. Den Omega-3-Fettsäuren wird nachgesagt, dass sie z.B. für die Gesundheit von Herz, Gehirn und Hirnentwicklung etc. eine besondere Bedeutung hätten.

Vor allem wird auch die Einnahme von Fischölkapseln mit verschiedenen Argumenten gefördert, wobei hier sehr häufig Positivberichte aus Studien als Argumentationshilfe dienen. Es gibt aber durchaus eine große Anzahl an wissenschaftlichen Studien, die zeigten, dass von der Einnahme von Fischölkapseln kein Nutzen ausgeht. Einige dieser Studien der letzten Wochen werden im Folgenden vorgestellt:

Mitte November 2010 war in der Ärztezeitung nachzulesen, dass eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren keine geeignete Strategie gegen Vorhofflimmern ist. US-Wissenschaftler verabreichten 633 Patienten mit Vorhofflimmern entweder Omega-3-Fettsäuren mit relativ hoher Dosierung von vier Gramm täglich oder ein entsprechendes Placebopräparat über einen Zeitraum von 24 Wochen. Am Ende der Untersuchung mussten die Wissenschaftler feststellen, dass die vermutete antiarrhythmische Wirkung ausgeblieben war.

Wissenschaftler des Instituts für Herzinfarktforschung Ludwigshafen untersuchten an 3851 Patienten nach einem Herzinfarkt, ob die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zu besseren Langzeitergebnissen führte. Die übliche kardiologische Nachbehandlung nach Herzinfarkt bewirkte eine niedrige Sterblichkeitsrate. Bei den Patienten, die zusätzlich Omega-3-Fettsäuren einnahmen, wurde aber keine weitere Verbesserung des Therapieerfolgs erzielt.

Focus online berichtete Anfang November 2010 unter dem Titel „Nutzlose Fischölkapseln" über eine Studie von Wissenschaftlern der Oregon Health and Science University in Portland, die überprüften, ob Docosahexaensäure eine Schutzwirkung bei leichten Formen von Demenz ausübt. Die 402 Teilnehmer der Studie zeigten Symptome von schwach ausgeprägtem M. Alzheimer. 60 Prozent der Versuchsteilnehmer erhielten 18 Monate lang ein Nahrungsergänzungsmittel mit zwei Gramm DAH, 40 Prozent bekamen ein entsprechendes Placebopräparat. Nach Beeindigung der Studie zeigte sich kein Unterschied bezüglich der mentalen Fähigkeiten. Die DHA-Versuchsteilnehmer zeigten keinerlei kognitive Vorteile; auch bei der Kernspintomographie des Gehirns konnten keine Unterschiede des Gehirnvolumens festgestellt werden.

Im Rahmen der Womens Health study, bei der 36.328 Frauen über einen Zeitraum von 1992 bis 2008 beobachtet wurden, zeigte sich, dass eine hohe Aufnahme mariner Omega-3-Fettsäuren, EPA und DHA, das  Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhte. Frauen, die im Durchschnitt mehr als zweimal wöchentlich Fisch aßen oder mehr als 200 mg Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs zu sich nahmen, hatten ein um 40 Prozent erhöhtes Diabetes-Risiko. Bei der pflanzlichen Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure wurde kein Zusammenhang mit dem Diabetesrisiko festgestellt.

Die Einnahme von Fischölkapseln in der Schwangerschaft konnte in einer großen klinisch kontrollierten Studie weder die Häufigkeit von Kindbett-Depressionen verringern, noch die geistige und sprachliche Entwicklung von Kindern verbessern. Australische Wissenschaftler führten eine Studie mit fast 2400 schwangeren Frauen durch. Die Hälfte von ihnen erhielt Kapseln mit Docosahexaensäure (DHA), 800 mg täglich, die andere Hälfte ein Placebopräparat. Die Frauen nahmen die Kapseln bis zur Entbindung ein, doch die positive Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung waren bei einer gründlichen Untersuchung der Kinder im Alter von 18 Monaten nicht erkennbar. Die Wissenschaftler äußerten die Vermutung, dass ein Effekt vielleicht erst in späteren Jahren erkennbar sei, es sei aber auch nicht auszuschließen, dass die erhoffte Wirkung – nämlich Fischverzehr gleich intelligente Kinder – gar nicht vorhanden ist. Jedenfalls besteht bisher kein Grund, schwangeren Frauen den Fischverzehr oder die Einnahme von Fischölkapseln zu empfehlen.

Der Bestsellerautor Jonathan Safran Foer geht in seinem Buch „Tiere essen" auch auf das Thema Fischfang ein. Für ihn ist Krieg das richtige Wort, um unsere Beziehung zu Fischen zu beschreiben – es beinhaltet die Methoden und Technologien, die wir gegen sie einsetzen und unseren Herrschergeist. Forscher vom Fisheries Centre der University of British Columbia behauten, dass unser „Umgehen mit Fischereiressourcen" inzwischen einem Vernichtungskrieg gleicht.

Meeresbiologen äußern die Besorgnis, dass es bis in spätestens 40 Jahren gar keine kommerzielle Fischerei mehr geben wird, mangels Fisch. Am 08.09.2010 berichtete Spiegel online in einem Artikel mit dem Titel „EU schmiedet Notplan gegen Plünderung der Meere", dass bei uns die Fischtheken zwar immer noch gefüllt sind, dass aber mittlerweile 60 Prozent der Fische nach Europa importiert werden. Weil die EU Millionen Euro an korrupte Staaten zahlt, dürfen europäische Trawler die Fanggründe vor der Küste Afrikas befahren.

Der Verzehr von Fisch ist für die menschliche Ernährung nicht erforderlich, da der Verzicht auf Fisch, wie man bei langjährigen Vegetariern beobachten kann, keinerlei nachteilige Effekte hat. Es ist schwer nachvollziehbar, warum von ernährungswissenschaftlicher oder ernährungsmedizinischer Seite der Fischverzehr nach wie vor propagiert wird, obwohl die Überfischung von Speisefischen inzwischen dramatische Ausmaße erreicht hat. Wenn es so weiterläuft wie bisher, braucht man bis in wenigen Jahrzehnten den Fischkonsum nicht mehr zu empfehlen, weil es keine Fische mehr gibt.

Referenzen:

  • FinanzNachrichten.de, 19.11.2010: Umfrage: Große Mehrheit für nachhaltige Fischerei in der Europäischen Union
  • ndr.de, 08.09.2010: Fisch-Konsum auf neuem Rekordstand
  • Aerztezeitung.de, 16.11.2010: Fischöl ist wohl doch kein Mittel gegen Vorhofflimmern
  • Rauch B et al.: Omega, a randomized, placebo-controlled trial to test the effect of highly purified omega-3 fatty acids on top of modern guideline-adjusted therapy after myocardial infarction; Circulation, 2010 Nov 8
  • focus.de, 02.11.2010: Nutzlose Fischölkapseln
  • Luc Djoussé et al: Dietary omega-3 fatty acids and fish consuption and risk of type2 diabetes; AM J Clin Nutr; October 27, 2010
  • Pharmazeutische-Zeitung.de, 26.10.2010: Schwangerschaft: Fischölkapseln ohne Nutzen
  • Jonathan Safran Foer: Tiere Essen, Kiepenheuer & Wisch; 4. Auflage 2010

 

Aus dem Archiv

Vegetarische Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wissenschaftler aus den USA und Japan publizierten im April 2014 eine Metaanalyse über den Zusammenhang zwischen vegetarischer Ernährung und Blutdruck. Dazu wurde die vorhandene Fachliteratur nochmals zusammenfassend ausgewertet. Es zeigte sich, dass der Verzehr einer vegetarischen Nahrung mit niedrigeren Blutdruckwerten assoziiert war. Vegetarische Ernährungsformen könnten also eine wichtige nicht-pharmakologische Maßnahme zur Senkung des Blutdrucks sein.

Da in westlichen Ländern eine Verminderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine vegetarische Ernährung nachgewiesen worden war, untersuchten Forscher aus Indien inwieweit dieser Zusammenhang auch für Indien gilt. Sie konnten nachweisen, dass auch in Indien die vegetarische Ernährung im Vergleich zur Mischkost das kardiovaskuläre Risiko verminderte.

In einer Metaanalyse wurden acht Studien mit 183.321 Studienteilnehmern zur Klärung der Frage ausgewertet, ob die vegetarische Ernährung das kardiovaskuläre Risiko und die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflusst. Die Daten aus Beobachtungsstudien zeigten eine mäßiggradige Verminderung des kardiovaskulären Risikos, allerdings keine klare Reduktion der Gesamtsterblichkeit.


Referenzen:

  • Yokoyama Y, Nishimura K et al.: Vegetarian diets and blood pressure: a meta-analysis. JAMA Intern Med. 2014 Apr;174(4):577-87.
  • Kwok CS, Umar S et al.: Vegetarian diet, Seventh Day Adventists and risk of cardiovascular mortality: a systematic review and meta-analysis. Int J Cardiol. 2014 Oct 20;176(3):680-6.
  • Shridhar K, Dhillon PK et al.: The association between a vegetarian diet and cardiovascular disease (CVD) risk factors in India: the Indian Migration Study. PLoS One. 2014 Oct 24;9(10):e110586.
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