«Jeder normale Mensch, der einmal gesehen hat, wie es im Schlachthaus zugeht, der einmal gesehen hat, wie eine Kuh ausgenommen wird, müßte doch sofort aufhören, Fleisch zu essen.»
(Thomas D)

Wildschwein Springe pixelio.de 470

Das wird so manches Jägerglück trüben: 28 Jahre nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl sind in Deutschland immer noch Pilze und Wildschweine verstrahlt - zumindest in einigen Regionen. Bayern soll besonders betroffen sein, vor allem in der Murnauer und Garmischer Gegend, im Berchtesgadener Land und in einem Lanstrich zwischen Memmingen und Augsburg.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt veröffentlicht auf seiner Homepage eine Liste über Umweltbelastungen in verschiedenen Regionen Deutschlands. Aus der bayerischen Region Cham in der Oberpfalz wurden in Wildschweinproben 9.800 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm Fleisch gemessen. Fleisch mit solchen hohen Cäsiumbelastungen muss als Sondermüll entsorgt werden. Aus der Region Garmisch Partenkirchen wurden in Pilzen Cäsium-Konzentrationen von 6900 Becquerel ermittelt. Der zulässige festgelegte Grenzwert liegt allgemein bei 600 Becquerel pro Kilogramm und bei 370 Becquerel pro Kilogramm für Milchprodukte und Babynahrung.

Das Umweltinstitut München warnt insbesondere vor dem Verzehr von Maronenröhrlingen und Semmelstoppelpilzen, das diese das Cäsium besonders gut aufnehmen können.

Nach Aussagen des Umweltinstituts liegen sogar noch höhere Messwerte über die Belastung von Wildschweinen mit Cäsium 137 vor. Es sollen vereinzelt Werte in Höhe von mehr als 10.000 Becquerel bestimmt worden sein.

Der Hintergrund für diese starke Kontaminierung liegt darin, dass die Waldböden immer noch mit Cäsium 137 belastet sein können, und die Tiere und Pflanzen nehmen diesen gesundheitsgefährlichen Stoff auf. Cäsium 137 ist krebserregend und vermag das Erbgut zu schädigen.

Die Sprecherin des Bundesamtes für Strahlenschutz, Anja Lutz hält dennoch den Verzehr von Wildfleisch und Waldpilzen für nicht so bedenklich: "Wildbret oder Pilze in üblichen Mengen stellen selbst in Bayern keine unmittelbare Gesundheitsgefahr dar. Es ist aber eine zusätzliche Belastung, die man vermeiden kann. Daher sollte man in besonders belasteten Gebieten auf das Sammeln von Pilzen verzichten."

Anmerkung:
Lebensmittel, die radioaktiv belastet sind und die zulässigen Grenzwerte überscheiten, dürfen nicht in den Handel gelangen. Nur: Wenn der Jäger unter der Hand sei erlegtes Wildfleisch an seine Familie, Bekannte und Freunde weitergibt, wer trägt eigentlich dafür die Verantwortung, wenn das Fleisch radioaktiv verstrahlt ist und verzehrt wird?


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